Systemische Beratung

Beginn

Die Weiterbildung „Systemische Beratung“ beginnt im April 2017 in Moers und ist eine Kooperationsweiterbildung der Krüger-Institute und des zibb.

Zielgruppe

Die Fortbildung wendet sich an alle Personen, die im Rahmen ihrer pädagogischen und psychosozialen Arbeit in psychosozialen Arbeitsfeldern (stationär, teilstationär oder ambulant) Eltern, Familien oder anderen Systemen in ihre Erziehungstätigkeit einbeziehen wollen oder die in Bezug auf Eltern, Familien oder andere Systeme beratend tätig sind, z.B. in Einrichtungen der Jugendhilfe, beim Jugendamt, in Heimen/ Tagesgruppen, Beratungsstellen, Kindertagesstätten, in freien Praxen usw.

Zulassungsbedingungen

  • Abgeschlossene psychosoziale oder pädagogische Ausbildung (Fachschule, Fachhochschule, Universität)
  • Möglichkeit der praktischen Eltern- oder Familienarbeit unter Einsatz von Video im Rahmen der Berufstätigkeit oder einer anderen Tätigkeit

Ziele und Inhalte der Fortbildung

Die Fortbildung legt den Schwerpunkt auf die Erweiterung der systemisch-pädagogischen Kompetenz, Eltern und Familien im Rahmen ihrer Verantwortlichkeit in die pädagogische Arbeit mit einzubeziehen und Beratung von Eltern und Familien zu leisten. Theoretische Grundlagen basieren auf aktuellen pädagogischen Konzepten, auf Kompetenzbildung der Befähigung zur Bewältigung (Coping-Strategien), der Systemtheorie sowie Selbstorganisationstheorie (Kybernetik 2. Ordnung) und werden ergänzt durch die Personzentrierte Psychologie und durch Aspekte der Erwachsenenbildung.

Diese systemisch-pädagogische Beratung unterscheidet sich zunächst von einer expliziten Therapie bzw. Familientherapie, weil sie

  • Bedingt durch ein pädagogisches oder beraterisches Anliegen seitens der PädagogInnen die Eltern und Familien für eine bestimmte Form von Erziehung oder Beratung gewinnen will,
  • Bewusstseinsbildung sowie Bildung von Erziehungskompetenz bei Eltern und Familien anstrebt,
  • Zeitlich anders strukturiert sein kann, denn
    • pädagogische Elternarbeit wird in der Regel begleitend über die Gesamtzeit einer pädagogischen Maßnahme geleistet,
    • es können längere Phasen zwischen den Elternarbeitsgesprächen enstehen,
    • manche Gespräche unterliegen anderen Intervallen, z.B. einmalige Hilfeplangespräche, Aufnahmegespräche, ½-jährliche oder jährliche Erziehungsplanungsgespräche, Krisengespräche nach Bedarf usw.

Arbeitsweise

In der Fortbildung wird theoretisch und praktisch systemische Eltern- und Familienarbeit erfahrbar gemacht. Konkrete Eltern- und Familienarbeit wird zunächst in der Fortbildungsgruppe selbst ohne und mit Video-Feedback und später im Praxisfeld  (in vivo) unter Einsatz von Video trainiert. Insgesamt steht die eigene Entwicklung einer Beraterpersönlichkeit mit der Perspektive im Vordergrund, personale Kompetenz im praktischen Umgang mit Eltern und Familien sowie Vermittlungskompetenz von Erziehungsinhalten zu entwickeln und weiter auszubauen.

Methodische Formen in der Fortbildung

  • Theorievermittlung durch Vorträge und Visualisierungen
  • Selbststudium von Literatur und Erstellen von Impulsreferaten durch die TeilnehmerInnen
  • Reflexion der eigenen Persönlichkeit in Form von Selbsterfahrung in der TeilnehmerInnengruppe
  • Erarbeiten von Theorie und Sammeln von Erfahrungen durch Rollenspiele
  • Demonstration von Eltern- und Familienarbeit in der TeilnehmerInnengruppe
  • Vorstellen von Fallbeispielen der TrainerInnen
  • Einbringen von (auf Video) durch die TeilnehmerInnen
  • Intervision der TeilnehmerInnen untereinander (kollegiale Supervision ohne TrainerInnen)
  • Schriftliche Dokumentation von zwei Prozessverläufen systemischer Sitzungen

Gliederung der Fortbildung

Die Fortbildung dauert 2 Jahre und umfasst 442 Stunden: 240 Fortbildungsstunden (mit Trainer) + 72 Stunden Intervision (ohne TrainerInnen) + 50 Stunden Selbststudium + 30 Stunden Beratungspraxis + 50 Stunden in der beruflichen Praxis. Die Fortbildung bildet zugleich auch die Grundstufe zur insgesamt 3 ½ jährigen Fortbildung (die Aufbaustufe erstreckt sich über 1 ½ Jahre mit 516 Fortbildungsstufen) in „Systemischer Familientherapie und Familienberatung“ über insgesamt 958 Fortbildungsstunden.

 

442 Stunden insgesamt über 2 Jahre:

240 Präsenzstunden mit Trainer in 12 Blöcken à 2 Tagen:

  • 50 Std. Theorie
  • 50 Std. Praxis
  • 50 Std. Selbsterfahrung
  • 50 Std. Supervision
  • 20 Std. Kolloquium Theorie
  • 20 Std. Kolloquium Praxis
  • 50 Std. Selbststudium (Nachweis durch schriftliche Vorlage eines Impulsreferates)
  • 30 Std. Beratungspraxis (Nachweis durch 2 Videobeiträge mit jeweiliger Dokumentation)
  • 50 Std. Supervision (Nachweis von Supervision in der beruflichen Praxis)
  • 72 Std. Intervision (monatliche kollegiale Supervision in der TeilnehmerInnengruppe für jeweils 3 Stunden)

Terminübersicht über alle 12 Blöcke:

Alle Termine liegen außerhalb der Schulferien.

Block 01: 03. - 04.04.2017 10 Std. Theorie und 10 Std. Praxis (Herr Dr. Krüger)

Block 02: 12. - 13.06.2017 10 Std. Theorie und 10 Std. Praxis (Herr Dr. Krüger)

Block 03: 18. - 19.09.2017 Theorie und 10 Std und Praxis (10 Std.) (Herr Dr. Ziebertz)

Block 04: 20. - 21.11.2016 20 Std. Selbsterfahrung (Herr Dr. Krüger)

Block 05: 15. - 16.01.2018 20 Std. Praxis (Herr Dr. Krüger)

Block 06: 19. - 20.03.2018 10 Std. Theorie und 10 Std. Supervision (Herr Dr. Ziebertz)

Block 07: 14. - 15.05.2018 10 Std. SE + 10 Std. Supervision (Herr Dr. Krüger)

Block 08: 12. - 13.07.2018 10 Std. Theorie und 10 Std. Supervision (Herr Dr. Ziebertz)

Block 09: 10. - 11.09.2018 20 Std. Selbsterfahrung (SE) (Herr Dr. Krüger)

Block 10: 19. - 20.11.2018 20 Std. Supervision (Herr Dr. Ziebertz)

Block 11: 04. - 05.02.2019 20 Std. Kolloquium Theorie (Herr Dr. Krüger)

Block 12: 08. - 09.04.2019 20 Std. Kolloquium Praxis (Herr Dr. Krüger)

Abschluss der Fortbildung:

Die TeilnehmerInnen erhalten nach Absolvieren der Fortbildung eine Teilnahmebescheinigung. Zur Erlangung des Zertifikates „Systemische Beraterin / Systemischer Berater“ sind folgende Kriterien zu erfüllen:

  • Komplette Teilnahme an allen Weiterbildungsblöcken
  • Vorstellen einer schriftlichen Theoriearbeit vor der Fortbildungsgruppe und Abgabe dieser Arbeit an die Fortbildungsinstitution
  • Führen von Protokollen über die Fortbildungssitzungen
  • Vorstellen von zwei systemischen Sitzungen mit Eltern oder Familien (auf Video) und schriftlicher Dokumentation. Diese Videobeiträge und Dokumentationen werden während der Fortbildung und im Abschlusskolloquium reflektiert
  • Komplette Teilnahme an den Intervisionen

Dozenten:

  • Dr. phil. Torsten Ziebertz
  • Dr. phil. Eberhard Krüger (anerkannter Lehrtherapeut der Deutschen Gesellschaft für systemische Therapie und Familientherapie)
  • + weitere Gast-Dozenten für spezielle Themenbereiche

Kosten:

  • 3120,00 € (inkl. 19 % U-Steuer),zahlbar in 24 Monatsraten per Einzugsermächtigung.
  • + Anmeldung in Höhe von 85,00 € (inkl. 19 % U-Steuer)

 

Curriculum: Systemische Beratung

Theorie (100 Std.)

Auf der Grundlage der psychosozialen Ausbildung der TeilnehmerInnen werden aktuelle Konzepte der Vermittlungskompetenz von pädagogischen Inhalten und der Kompetenzbildung in Bezug auf Erwachsene über 50 Stunden in der Fortbildungsgruppe vermittelt. Einzelne Grundlagenthemen werden an die TeilnehmerInnen vergeben, die im Selbststudium (angerechnet werden dafür 50 Std.) zu erarbeiten und in Form einer schriftlichen Theoriearbeit vorzulegen und der Fortbildungsgruppe vorzustellen sind:

Einzelne Themenschwerpunkte der Theorievermittlung sind:

 

Grundlagen von Erziehung und Bildung

  • Moralische und ethische Wertebildung
  • Pädagogische Kategorienbildung
  • Übersicht über bestehende Konzepte der Beratung

 

Kompetenzbildung von Eltern und Bezugspersonen

  • Einblick in die Genese von Kompetenz
  • Weiterentwicklung kommunikativer Kompetenz
  • Auf- und Ausbau der Erziehungsfähigkeiten von Eltern und Bezugspersonen

 

Erwachsenenbildung und deren Methoden

  • Erfahren von angemessenen und impulsgebenden Methoden der Erwachsenenbildung
  • Einsatz von Sprache, Metaphern und Symbolen
  • Entwicklung von adäquaten Moderationstechniken

 

Systemischer Ansatz

  • Theoretische und empirische Grundlagen sowie bedeutsame erkenntnistheoretische Positionen
  • Systemische Schulen
  • Prinzipien der Selbstorganisation des Menschen
  • Subjektive Konstruktion von Wirklichkeit durch Wahrnehmung und Sprache
  • Systemanalyse, individuelle Diagnostik, Indikation
  • Intra- und interindividuelle Verarbeitungsformen lebensgeschichtlicher, affektiver und kognitiver Beziehungserfahrungen
  • Entwicklungsphasen von Systemen
  • Bedeutung des „identifizierten Patienten“ im System
  • Systemische Interventionsmöglichkeiten
  • Verschiedene systemische Settings
  • Umgang des Helfersystems mit dem Familien- und Bezugssystem

 

Spezifische Störungen

  • Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen
  • Neurotische, Belastungs- und somatoforme Störungen
  • Schizophrenie und affektive Störungen
  • Psychische und Verhaltensstörungen durch psychotrope Substanzen

 

Kolloquium Theorie (20 Std.)

Die Fortbildung schließt mit zwei Kolloquien, in welchen die TeilnehmerInnen erworbenes Wissen in der Fortbildungsgruppe reflektieren. Jede TeilnehmerIn stellt in diesen Kolloquien einen konkreten Fall aus der theoretischen Perspektive mit der entsprechenden schriftlichen Dokumentation und einem Videobeitrag vor. Im Kolloquium Theorie (20 Std.) soll folgendes reflektiert werden:

  • Indikation zur pädagogischen Eltern- und Familienarbeit
  • Erarbeiten einer Strategie der Intervention
  • Begründung der Methodenauswahl
  • Selbsteinschätzung des Beratungsverlaufs
  • Kritische Auswertung und Evaluation

 

Praxis (50 Std.)

In den Praxisblöcken werden die theoretisch erfahrenen Inhalte in der TeilnehmerInnengruppe umgesetzt. Die Praxiserfahrungen (vgl. Beratungspraxis unten), die von den TeilnehmerInnen in ihren Berufsfeldern oder ähnlichen Situationen gemacht wurden, werden sukzessive in die Praxisblöcke einbezogen. Jede TeilnehmerIn stellt einen konkreten Fall aus der theoretischen Perspektive mit der entsprechenden schriftlichen Dokumentation und einem Videobeitrag vor. Im Einzelnen soll folgendes erarbeitet werden:

  • Sensibilisieren auf Wahrnehmung der Wirklichkeiten von Eltern und Familien
  • Neukonstruktion von Wirklichkeiten, die Eltern und Familien andere Möglichkeiten aufzeigen
  • Kennenlernen, Begleitung und Förderung der Phasen von Elternarbeit und Elternberatung (Beziehungsaufbau, Phase der Themenbearbeitung, Verabschiedungsphase)
  • Die TeilnehmerInnen erfahren an sich selbst im Rollenspiel als Eltern- und/ oder Familien eine Form des Umgangs, der bewirkt,
  • dass man sich verstanden und geachtet fühlt,
  • selbstwertfördernd ist
  • Verständnis für die Verhaltensweisen von Eltern und Kindern vermittelt,
  • Neue Perspektiven im Umgang mit sich und Kindern eröffnet,
  • Ressourcen für eigene Verhaltensänderung mobilisiert.
  • Umsetzen dieser im Rollenspiel gemachten Erfahrungen in eigenes Handeln
  • Trainieren des adäquaten Ansprechens von Eltern und Familien durch passende Wortwahl und Nutzen von Metaphern
  • Einbringen von eigenen Fällen, deren schriftlicher Dokumentation und Rückmeldung durch die TrainerIn und der Fortbildungsgruppe

Kolloquium  Praxis (20 Std.)

Die Fortbildung schließt mit zwei Kolloquien, in welchen die TeilnehmerIn erworbenes Wissen in der Fortbildungsgruppe reflektiert. Jede TeilnehmerIn stellt in diesen Kolloquien einen konkreten Fall aus der theoretischen Perspektive mit der entsprechenden schriftlichen Dokumentation und einem Videobeitrag vor. Im Kolloquium Praxis (20 Std.) soll folgendes reflektiert werden:

  • Selbsterleben der eigenen Persönlichkeit im Beratungsprozess
  • Fähigkeit des Umgangs mit den Eltern und Familien
  • Einsatz von Kommunikation, Methoden und Metaphern
  • Selbsteinschätzung der Effektivität eigener Beratungsleistung

Durchführung von Beratungspraxis durch die TeilnehmerIn (30 Std.)

Durch eine praktische und konkrete Arbeit als BeraterIn sollen die bisherigen persönlichen und beruflichen Erfahrungen der TeilnehmerInnen mit den in der Fortbildung zusätzlich erworbenen Fähigkeiten umgesetzt und in selbstständiger Beratertätigkeit in der eigenen Praxis durchgeführt werden. Dazu werden insgesamt zwei systemische Sitzungen unter Einsatz von Video in der beruflichen Praxis durchgeführt und unter Einhaltung der geltenden Datenschutzbestimmungen in der Fortbildungsgruppe vorgestellt.

Für die erste Videovorstellung mit schriftlicher Dokumentation und der Vorstellung in der Fortbildungsgruppe werden 15 Stunden angerechnet, für die zweite Videovorstellung mit schriftlicher Dokumentation, welche am Ende der Fortbildung im Kolloquium vorgestellt wird, ebenfalls 15 Stunden.

Selbsterfahrung (50 Std.)

Anteile von Selbsterfahrung sind auch in der Supervision enthalten. In der expliziten Auseinandersetzung  mit sich selbst setzen sich die TeilnehmerInnen im Rahmen der Fortbildungsgruppe oder einer Encountergruppe mit den eigenen Anteilen auseinander, die für eine Eltern- und Familienarbeit bedeutsam sind:

  • Bedeutung der eigenen Kindheit, des Kindes in einem und der Rollenzuweisung als Kind bzw. Jugendlicher
  • Reflexion der Rollenzuweisungen an Eltern und bedeutsamen Erwachsenen aus Sicht des (damaligen) Kindes und Jugendlichen
  • Erforschen eigener Familienbilder und Familienvorstellungen
  • Familienrekonstruktion
  • Reflexion einer beraterischen und therapeutischen Haltung für eine tragfähige Kontaktgestaltung in der Kooperation mit Paaren, Familien und Systemen
  • Anerkennung, Förderung und Würdigung der besonderen Ressourcen und der Einzigartigkeit von KlientInnen und Systemen
  • Erleben eines förderlichen Umganges mit sich selbst
  • Erfahren der Dynamik von komplexen Systemen und eigener Befindlichkeit

Supervision

Supervision (50 Std. mit TrainerInnen) wird im Rahmen der Fortbildungsgruppe oder in Teilgruppen die individuelle Definition von Wirklichkeit sowie die eigene Sicht von Zusammenhängen durch das Kennenlernen anderer Perspektiven erweitert. Supervision soll als ein notwendiges und geeignetes Instrument der persönlichen und fachlichen Reflexion erfahren werden:

  • Hilfestellung bei persönlichen und fachlichen Fragen
  • Einbringen von Falldarstellungen
  • Erweiterung individueller Sichtweisen
  • Verstehen von komplexen Zusammenhängen

Zusätzlich muss der Nachweis von Supervision im beruflichen Feld  (am Arbeitsplatz oder adäquaten Praxisfeldern) über 50 Std. erbracht werden.

Intervision (72 Std.)

Begleitend zur Supervision treffen sich die TeilnehmerInnen in selbst organisierten Arbeitsgruppen, z.B. einmal im Monat für 3 Arbeitsstunden, um relevante Literatur zu bearbeiten, Methoden einzuüben und sich gegenseitig fachlich-supervisorisch Hilfestellung zu geben.

(c) 2016 zibb Ziebertz-Institut für berufliche Bildung Dr. Torsten Ziebertz
Gestaltung & Programmierung thobanet.de Baumeister

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